Vorwort
Andreas Aner ist ein Poet, ein nimmermüder Spurensucher, ein Autodidakt voll Energie und Verve. Für den leidenschaftlichen Fischer und Wanderer ist
die Natur die wichtigste Schaffensquelle. Besonders Fische faszinieren den Künstler. Aner, der selbst die hohe Kunst des Fliegenfischens ausübt, stilisiert
und abstrahiert seine Figuren. Der Künstler verwendet Symbole und Kürzeln.
Seine Welt is ein Reich der Stenogramme und der Bildchiffre.
Aners Zeichnungen sind spontaner Ausdruck seiner Seele, sie sind stets
ursprünglich, ein Eindruck, eine Idee wird zu Papier gebracht. Die wie in Trance entstandenen Linien folgen einem musikalischen Rhytmus und bilden
rätselhafte Formgespinste. Fahrig, meist heftig, in unterschiedlichen Strichstärken, zugleich kräftig und schwungvoll gleitet der schwarze Stift über das Papier, zieht nervöse Spuren, verdichtet sich stellenweise zu tiefem Schwarz, das der Leere im Mittel-und Hintergrund gegenübersteht.
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Aners Arbeitweise setzt Spontaneität voraus, sein gestischer Arbeitsstil mündet in höchster Konzentration und Verdichtung. Er ist ein Meister der kleinen Formate, die er ungerahmt, von der Wand distanziert präsntiert. Die Entdeckung neuer Räume, eine räumliche Tiefenwirkung, charakterisiert die Zeichnungen und deren Präsentation.
Aner bevorzugt für seine lapidaren Chiffren, die vielfach an Gleichnisse erinnern, verschiedene Techniken. Die Zeichnung als intimstes und spontanstes künstlerisches Mittel ist sein Metier und führt vor, worum es geht in unserer Welt. Doch die Idylle kann trügerisch sein. Naturgewalten brechen auf die Akteure herein. Die Figuren werden zu Parabeln der Menschheit. Doch
ein Fischer ist nicht immer einsam und verlassen, knisternde Erotik exitiert in den versteckten Seelenwelten! Frauen bewegen sich schwimmend oder fliegend duraus verführerisch durch Wasser und Lüfte. Manche springen ins kalte Wasser und kämpfen mit dem Ertrinken. Andere fallen Hals über Kopf oder dringen wie ein Geschoss in den Bildraum ein, schweben über der schimmernd durchscheinenden, vielfach übermalten Wirklichkeit.
Die Vereinsamung einer von Zeit- und Leistungsdruck geprägten Gesellschaft,
die Ausbeutung der Schöpfung, aber auch die Natur und Erotik als stärkender Lebensquell werden in den Darstellungen des Künstlers angesprochen.
Wie in einem Tagebuch fabuliert Aner von Meschen, Flora und Fauna. Seine den Farbraum bevölkernden Wesen wirken verklärt, als hätten sie kein Ziel vor Augen. Sie sind Getriebene, Gefangene des Universums. Die zutiefst empfindsamen Zeichnungen erzählen uns poetische, verschlüsselte, auch schmerzvolle Geschichten. Aners Zeichnungen, Übermalungen und Skulpturen, künden von der Sensibilität der Natur, sie fordern den Betrachter. Sie sind zutiefst elegische Manifeste einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.
Textauszug: Dr.in Elisabeth-Nowak-Thaller
Mischtechnik-Zeichnung-Skulptur